Dennis Böttle auf www.tattootimes.de
Tattoo Artists

Message in a Böttle – Dennis ist UBD #3 // Interview

Zufriedenheit ist ein seltenes Gut. Doch Dennis Böttle hat sie in mancher Hinsicht erlangt.

Der Tätowierer aus Mannheim hält sich im Hintergrund, konzentriert sich aufs Handwerk und fliegt medial unter dem Radar. Ob ihn das stört? Nein. Dennis ist zufrieden, so wie es ist. Nachdem er seine Graffiti-Cans fast komplett in die Tonne kloppte und auch auf Wunsch seiner Eltern ein BWL-Studium absolvierte, kann der 30-Jährige sich heute ganz im Tätowieren versenken.

Tattoo von Dennis Böttle auf www.tattootimes.de
Trinkfester Waschbär. Cheers!

Jetzt verfeinert er Häute mit anstandslosen Traditionals im Truly Yours. Warum er mit seinem Werdegang ziemlich zufrieden ist, erklärt er ganz humble im Interview, als Nummer 3 in unserer Serie Underrated But Dope.

Interessiert dich die Tattoo-Szene im Allgemeinen?
Ich versuche, mich nicht allzu sehr für die Sachen innerhalb der Szene zu interessieren, die nichts mit dem Tätowieren zu tun haben. Ich schaue mir aber trotzdem viele Arbeiten an. Das beeinflusst manchmal und hin und wieder verliert man dadurch sogar sein eigenes Ding aus den Augen. Darum bleibt man am Besten auf sich selbst fokussiert.

Wolves ’n‘ Roses. Evergreen, der seine Wirkung nicht verfehlt.

Aber packt dich nicht manchmal der Ehrgeiz und du willst dich mit anderen Tätowierern und Tätowiererinnen messen, oder hältst du dich auch aus Competitions raus? 
Ich suche nicht den direkten Wettkampf, will aber natürlich meine Tattoos immer verbessern und weiterkommen. Natürlich orientiert man sich an Vorbildern und strebt in deren Richtung, um auf deren Level zukommen. Ansonsten freu ich mich aber für Leute, wenn sie besser werden, egal ob ich sie kenne oder nicht. 

»Ich freue mich für Leute, wenn sie besser werden«

Ob auf Papier oder der Haut: Dennis‘ Designs sprechen Traditional.

Sehr viele Tätowierer reisen oft und nehmen jede Convention mit, die sie kriegen können. Du bist da anders. Wieso?
In einem mir bekannten Umfeld fühle ich mich einfach wohler. Wie hier im Shop. Da habe ich alles was ich brauche, muss nicht improvisieren und kenne die Leute. So kann ich mich besser auf meine Arbeit konzentrieren. Ich mache lediglich Guest Spots bei HeiligBlut in Erding in der Nähe des Münchener Flughafens.

Sieht man sein Licht, ist es bereits zu spät. Tiefseeangler leben in bis zu 4000 Meter Tiefe.

Hast du keine Angst etwas zu verpassen?
Wir haben hier sehr viele internationale Gäste, die viel rumkommen und ihr Wissen mitbringen. Ich musste und muss immer viel zwischen den Städten Pendeln und hatte zeitweise zwei Wohnungen. Vielleicht ist auch das der Grund, aus dem ich nicht noch mehr unterwegs sein muss.

Tattoo von Dennis Böttle auf www.tattootimes.de
Verträumte Indianerin. Dennis‘ Tattoos transportieren die gewünschten Gefühle.

Du tätowierst schon seit neun Jahren und machst heute supersolide Traditionals, trotzdem fliegst du in gewisser Hinsicht unter dem Radar. Ist das so gewollt oder stört dich das vielleicht sogar?
Nein, das stört mich nicht. Instagram zum Beispiel ist für mich nur gut, um den Leuten zu zeigen, was ich so mache. Aber ich bin nicht besonders geil auf Möglichst viele Follower. Vielleicht ist das auch was, was sich einfach entwickelt, wenn man gute Arbeiten macht. Es fallen mir direkt auch einige Leute ein, die bessere Arbeiten machen und noch weniger Follower als ich haben. Das macht sie aber nicht zu schlechteren Tätowierern.

Für den Tätowierer aus Mannheim ist Instagram eine Scheinwelt

Reichweite ist schön, um Kunden zu kriegen, wenn man international arbeitet. Aber letztendlich entspringen aus 20.000 Followern vielleicht ein bis zwei Kunden. Von daher macht es mehr Sinn, in der eigenen Stadt durch Mundpropaganda bekannt zu sein. Denn die Leute kommen dann auch wirklich wöchentlich oder monatlich in den Laden. Insofern ist Instagram auch eine Scheinwelt.

Den Teufel im Kopf.

Aus deiner Sicht: In welcher Situation befindet sich das Tätowieren in deiner Gegend und vielleicht auch darüber hinaus aktuell?
Die Zunahme an jungen Tätowierern und Tätowiererinnen geht weiter. Nach wie vor holen sich Leute, die gerade mit dem Tätowieren angefangen haben, noch neuere Tätowierer/innen in ihre Studios. Von Kundenseite hab ich aber das Gefühl, dass es minimal weniger geworden ist. Die Leute suchen zwar zielsicher nach wie vor nach dem, was wir machen, aber der Run auf Tattoos, wie es ihn vor zwei, drei Jahren noch gab, ist erstmal vorbei.

Die Anfragen verteilen sich stattdessen mittlerweile auf immer mehr Studios. Eine andere Entwicklung betrifft Rotary- oder Hybridmaschinen sowie iPads. Gegen diese Entwicklungen habe ich mich lange gewährt. Heute komme ich aber zum Schluss, dass das ganz normale und völlig legitime Entwicklungen sind, an denen man sich gerne bedienen kann, wenn sie das Arbeiten erleichtern.

Die beiden werden sich wohl nie vertragen. Gut so.

Eine andere Entwicklung auf Kundenseite ist, dass die Leute heute schneller bereit sind, sich Hände, Hals und Gesicht tätowieren zu lassen, auch wenn sie noch nicht viele Tattoos tragen. Begünstigt wird das auch von der US-HipHop-Kultur, wo Künstler wie Lil Xan, Lil Peep (gestorben 2017) oder Lil Uzi Vert voll von Face-Tats sind bzw. waren. Wie siehst du das?

Nick aus Erding und auch Wu Manchu aus Ulm, bei dem ich in meinen Anfängen regelmäßig zu Gast war und von dem ich ebenfalls viel gelernt habe, haben mir dieses traditionelle Denken mitgegeben. Von daher lehne ich solche Tattoos nicht ab, empfehle aber immer vorher schon die Arme zu zuhaben. Ich erkläre den Leuten meine Sichtweise darauf, wie der traditionelle Weg war. Gerade bei jungen Leuten, die auch oft noch nicht die Auswirkungen einschätzen können, ist das wichtig.

Bewegung, Ausdruck, Technik: So kreiert der Tätowierer aus Mannheim Klassiker.

Welche Auswirkungen hat es denn?
Das kommt aufs Berufsfeld an. Oft ist es ja mittlerweile kein Problem mehr. Allerdings nicht überall, weil noch nicht alle mitbekommen haben, dass Tattoos nichts mit Kriminalität zu tun haben. Manche Leute sind da weiterhin voreingenommen.

»Es haben noch nicht alle mitbekommen: Tattoos haben nichts mit Kriminalität zu tun«

Entspannt im Sattel: Dennis im Truly Yours.

Ist das so oder halten wir da nicht wiederum an unseren alten Denkmustern fest?
Wir sind natürlich auch noch von einer älteren Generation geprägt, ja. Aber ich bekomme manchmal mit, dass Chefs ihren Mitarbeitern sagen, dass sie sich dieses oder jene Stelle nicht tätowieren lassen sollen. Ob das rechtlich okay ist, steht wieder woanders geschrieben. Wir haben zum Beispiel einem Kunden einen Bodysuit gestochen, Hände und Hals lässt er aber aus Berufsgründen frei. 

Leg‘ dich besser nicht mit ihr an.

Was sind die schönen Momente in deinem Beruf?
Ich komme jeden Tag gerne zur Arbeit und freu mich drauf. Abends zeichne ich weiter und mach das gerne ohne dass mich jemand dazu zwingt. Ich setz mich gerne nochmal zwei Stunden hin, zeichne und bereite mich auf den Kunden vor. Ich hab bock drauf, das richtig gut zu machen und wer auch immer dann zu mir kommt, soll das Bestmögliche von mir kriegen.

»Danke auch, dass ich das mal erzählen durfte«

Es gibt nicht viele Berufe, in denen man einerseits selbständig ist und sich andererseits selbst in den Arsch tritt, um das Beste draus zu machen, weil man das alles so gerne macht. Die Kunden sind super freundlich und die Atmosphäre im Team einfach super positiv. Das macht das Tätowieren einfach einzigartig. Und auch wenn man mit dem Level, auf dem man arbeitet, nie richtig zufrieden ist, so bin ich es doch mit der Gesamtsituation. Danke auch, dass ich das mal erzählen durfte.

Makellose Oldschool.


Termine:
Mail an Dennis
www.instagram.com/dennisboettle

Text: Jan Burger
Fotos Dennis Böttle: Eachy Blaxet
Tattoo Fotos: Dennis Böttle

27. April 2019