Tattoo von Herb Auerbach, ww.tattootimes.de
Tattoo Artists

Tanz der Teufel – Tätowierer Herb Auerbach // Interview

Egal welches überlieferte Motiv der Kalifornier Herb Auerbach auch sticht, es trägt etwas Teuflisches in sich, das den Betrachter mit in die Finsternis schleift.

 

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Im Locker Room der Aachen-Convention haben wir uns mit Herb unterhalten.

Der schüchterne Amerikaner Herb Auerbach hat eine gewisse Ähnlichkeit mit Donnie Brasco aus gleichnamigem Mafia-Kultfilm. Dunkle Augen, die schwarzen Haare gegelt und zurück gekämmt. Viele Interviews hat er in seinem Leben nicht gegeben. Er hofft, »alles richtig« zu machen und dass er nicht nur Nonsens erzählt. Bedenken, die man vom 33-Jährigen nicht unbedingt erwartet, wirft man ein Auge auf die Dämonen, die er in die meist Sonnen gegerbte Haut seiner Kundschaft eingräbt.

 

Tattoos müssen rough sein, findet er

 

Diese Motive spucken pures Selbstvertrauen aus ihren weit aufgerissenen Mündern. Für Tätowierungen, die diesen aggressiven Touch vermissen lassen, hat der blasse Kalifornier wenig übrig. Tattoos müssen rough sein, findet er. Wir verabredeten uns mit ihm auf der 1. Kaiserstadt Tattoo Expo in Aachen, wo der unter dem Einfluss von Punk ins Geschäft katapultierte Herb uns zurückhaltend seine Geschichte erzählt.

 

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Ein Motiv hat für Herb gefälligst rough zu sein.

Für friedvolle Tattoos hat Herb nichts übrig

 

Santa Cruz ist ein sehr sonnige Küstenstadt. Du siehst aber nicht aus, als würdest du oft in die Sonne gehen.
Ja, das stimmt. (lacht) Ich mag es am Strand zu sein, aber irgendwie geh ich nie hin. Ich mag die Luft dort. Als ich jünger war, war ich öfter da, zum Surfen und Skaten. Wenn ich Besuch habe, gehn wir natürlich auch zum Strand. Aber in meiner Freizeit mach ich eigentlich andere Sachen.

Was denn zum Beispiel?
Normalerweise hab ich in meiner Freizeit gezeichnet und gemalt. Heute treffe ich mich eher mit Freunden, mache verschiedenen Sachen. Ich habe keine besonderen Hobbys. Eine Zeit lang gab es für mich nichts als Tätowieren. Erst seit ein paar Monaten arbeite ich weniger, zeichne nicht jeden Tag, mache auch mal einen Tag frei. Ich wäre fast ausgebrannt, weil ich jeden Tag bis Mitternacht gearbeitet hab. Dann ging ich heim, hab was gegessen und bis vier Uhr morgens gezeichnet. Um sieben bin ich wieder aufgestanden: Essen, zeichnen, tätowieren … Ich bin älter geworden und hab mich selbst gestoppt, bevor ich die Grenze überschreite und durchdrehe. Ich habe echt runtergefahren, steche an manchen Tagen nur ein Tattoo und gehe um fünf Uhr Abends heim. Yeah, that´s nice, thats awesome.

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Kein Säugetier ist so farbenprächtig wie der Mandrill.

Wie würdest du denn den Lifestyle deiner Heimatstadt Santa Cruz beschreiben?
Es ist eine Strand- und Surferstadt. Dafür ist sie bekannt. Sie liegt im Süden der Bay Area (Gebiet um die Bucht v. San Francisco, Anm. d. Verf.), also nicht irgendwo im Nirgendwo. Es ist eine kleine Stadt in der viele Hippies leben und in der es eher gemächlich zugeht. Keiner ist wirklich pünktlich und alle sind ungezwungen. Da es am Meer liegt, ist es aber auch sehr teuer, unter anderem Wegen seiner Nähe zu San Francisco eben. Für junge Leute gibt es in Santa Cruz nicht viele gute Jobs. In der Hinsicht ist es schon nervig.

 

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Snakes on a dame.

»Ab und zu nach New York oder so, tut einfach gut«

 

Gefällt dir der Lifestyle, den du eben beschrieben hast?
Ja und nein. Ich mag ihn immer nur für eine Weile, dann muss ich raus. Es ist mir manchmal zu langsam dort. Darum reise ich immer ein bisschen. Ab und zu nach New York oder so, tut einfach gut.

 

Da in Santa Cruz die Sonne brutzelt, wie passen die Leute da auf die Tattoos auf, die du ihnen stichst?
Überhaupt nicht. Deshalb ist es ja auch so schön hier, in Skandinavien oder in England zu arbeiten. Da gibt es nicht soviel Sonne und jeder hat blasse Haut. Oh man, that is so nice. Es ist leichter das Tattoo zu stechen und sie sehen hinterher auch besser aus.

 

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Patriotische Motive stoßen in den USA weniger auf Ablehnung als in der BRD.

»Ich hatte vor circa 200 Jahren einen Großvater in Frankfurt«

 

Dein Nachname ist Auerbach. Hast du deutsche Vorfahren?
Ja, ich hatte vor circa 200 Jahren einen Großvater in Frankfurt. Das hab ich gerade erst vor ein paar Monaten im Internet herausgefunden. Aber ich habe heute keine Verwandten mehr in Deutschland. Jedesmal wenn ich hierher komme, fragen mich die Leute danach. Scheint ein weit verbreiteter Name bei euch zu sein.

Wann warst du das erste Mal hier?
Das war vor circa drei Jahren. Da war ich bei Chriss Dettmer. Bisher hab ich hier nur in Hamburg und bei Andreas im The Sinner and the Saint gearbeitet. Nach Berlin hab ich es bisher noch nicht geschafft. Andreas kennt Freunde von mir. Ich hab ihn vor ein paar Jahren auf der San Francisco Convention getroffen. Er sagte, wenn ich wollte, könnte ich bei ihm Gastarbeiten. Ich nahm ihn beim Wort, und jetzt bin ich hier. Ich bin froh, dass er die Aachen-Convention macht. Er ist genau der richtige Mann dafür.

 

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Herbs Farbpalette begrenzt sich auf Schwarz, Gelb, Rot, Grün, Braun und Blau. That’s it.

»Viele Conventions in den USA sind nicht gut gemacht«

 

Viele Tätowierer/innen sagen, dass die Convention hier in Aachen besonders gut sei. Wieso ist sie das aus deiner Sicht?
Bei uns in den USA gibt es so viele Conventions und viele davon sind einfach nicht gut gemacht. Sie haben einfach nicht die besten Tätowierer beieinander und jedesmal gibt es Feuerspucker, Suspensions und das Mikro des Moderators ist immer viel zu laut.

Contests gibt es hier auch nicht.
Ich gebe einen Scheiß auf Contests. Es stört mich nicht, wenn Leute das machen, aber so wie hier, ohne all das, ist es perfekt. Hier geht es nur ums Tätowieren und um die Leute, die es ernst damit meinen.

 

»Ich gebe einen Scheiß auf Contests«

 

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Der Tod ist nicht nur Männersache, auch Frauen arbeiten in dem Gewerbe.

Was hast du gemacht bevor du Tätowierer wurdest?
Ich hab in einer Pizzeria gearbeitet oder auf dem Markt, wenn ich von der Schule kam. Ich hab in Hardcore-Bands Bass gespielt. Hab einfach verschiedenen Sachen gemacht, die für mich relativ unwichtig waren, weil ich eigentlich andere Sachen machen wollte.

Tätowieren, nehm‘ ich mal an. Wie bist du denn letztendlich dazu gekommen?
Für eine Weile ging ich aufs College. Ich las viel über Punk und Anarchismus und so Zeug. Da wurde mir klar, dass ich auf keinen Fall in einem normalen Job arbeiten kann. Dann hab ich mich sehr viel tätowieren lassen. Da wusste ich, dass das was für mich sein könnte, womit ich mich ausleben konnte und nicht in einem Büro oder ähnlichem Scheiß arbeiten müsste. Ich meine, das Tätowieren war letztendlich auch anders, als ich erwartet hatte, aber offensichtlich in viel besserer Hinsicht. Ich freundete mich mit ein paar Tätowierern an und nervte sie die ganze Zeit damit mir zu helfen und mich auszubilden. Erst lehnten sie ab, dann taten sie es doch. 2008 hab ich dann angefangen zu tätowieren.

 

»Viele halten mich für den Shop-Guy«

 

Als ich deine Arbeiten gesehen hab, hab ich gedacht, dass das die Arbeiten eines viel älteren Tätowierers sein müssten. Sie wirken sehr reif.
Oh, das ist gut. Wie die von einem großen Typ mit ’nem Bart oder so? Tatsächlich passiert es oft, dass Leute in den Laden kommen und denken ich wäre der Shop-Guy. Dann muss ich immer erst erklären, dass ich wirklich der bin, den sie suchen.

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Außer dem Wolf trägt der Mann keine weiteren Tattoos. So kommt das Tattoo zu seiner vollen wuchtigen Entfaltung.

Dein Stil ist wild, aggressiv und du benutzt nur eine kleine Farbpalette. Wie kommt es, dass du tätowierst, wie du es eben tust?
Ich mag Tätowierungen, die irgendwie tough aussehen. Ich mach auch Tattoos von schönen Blumen auf Mädels, wenn es das ist was sie wollen. Aber was mich dazu gebracht hat, Tattoos wirklich machen zu wollen, waren die eindringlichen Flash Sheets der Old School. Als ich die gesehen hab, dachte ich nur: Oh man, that is so fucking good. Das war es, was ich nachbilden wollte. Tattoos, die tough aussehen, machen für mich Sinn. Es ist schön, wenn eine Mutter ihr Kind zum Fußballtraining bringt und sie auch ein Tattoo trägt, aber mich hat der Punk zum Tätowieren gebracht. Ich mochte schon immer Traditionals, schon bevor ich überhaupt wirklich wusste, worum es dabei geht. Diese Power-vollen Motive wie Dolche, Rosen oder Schwalben bedürfen einfach keiner Erklärung.

 

»Oh man, that is so fucking good«

 

 

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Gedaggerte Knie. „Halt richtig fett“, wie manche sagen würden.

Du stichst aber auch Japanisches. Auf Instagram hast du einen Bodysuit gepostet. Sonst sieht man aber keine japanischen Tattoos von dir im Netz. Woran liegt’s?
Ich hab gerade mal fünf Prozent meiner japanischen Sachen fertig machen können. Die Leute beenden diese großen Sachen einfach nicht. Mal liegt es an der Zeit, mal am Geld. Seit einiger Zeit fragen die Leute auch nicht mehr danach, aber ich wünschte, ich könnte mehr Japanisches stechen.

Gibt es was, was du noch sagen möchtest, ich dich aber noch nicht gefragt habe?
Oh, das war schon? Ich hoffe, ich habe die Fragen gut beantwortet und etwas Nützliches gesagt.

 

 

 

 

 

Terminvereinbarung:
Herb Auerbach
California Electric Tattoo
Soquel, Santa Cruz, Kalifornien, USA
hja213@gmail.com

www.instagram.com/herbxauerbach

Foto von Herb Auerbach und Jan Burger: Clarissa Fahrbach
Tattoo-Fotos: Herb Auerbach

11. März 2017