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Marijana Cafaro UBD #2: Niemals aufgeben // Interview

Es ist nicht zu übersehen: Die Tätowiererin steckt ihre Energie in Präzision und Ästhetik.

Die Braunschweigerin aus der White Fox Gallery findet in Szene-Medien selten statt. Dabei pusht Marijana Cafaro all ihre Energie in Mandalas, Traditionals und Asiatisches. Der Aufwand lohnt sich, denn die Ergebnisse der Symmetrie-Liebhaberin stehen nahezu makellos in der Haut. Für vergleichbar akkurate Tattoos dürften Fans schon ein Weilchen suchen, on- wie offline.


»Es ist immer Luft nach oben«

Vom Studium des Sozialwesens hin zur UBD mit prominenter Unterstützung internationaler Top-Artists war es allerdings ein eher asymmetrischer Weg. Und auch angekommen fühlt sich Marijana noch lange nicht. Die Nummer 2 in unserer Underrated-But-Dope-Serie bereitet sich lieber auf die Zukunft vor und hofft, dass ihr die Kraft niemals ausgeht. Bis dahin heißt es: Niemals aufgeben.

Minimalistisch und unvergänglich: Päonien mit viel Herz.

Wenn ich mir deine Arbeiten ansehe, dann kommt mir immer ein Wort in den Sinn: Präzision. Wie viel Energie investierst du, damit deine Arbeiten so akkurat aussehen? Oder geht dir das leicht von der Hand?
Ich investiere sehr viel Energie. Ich glaube, ich bin einfach ein Symmetriefreak und versuche alles so genau wie nur möglich zu machen. Am Anfang habe ich sehr darunter gelitten, wenn ich diesem Anspruch nicht gerecht werden konnte, es war einfach nur frustrierend. Aber ich muss sagen, auch wenn mir heute einiges eher gelingen mag als noch vor einiger Zeit, es gibt noch viel zu lernen.


Auch im Interview mit deinem Mann Pino 2017 meinte er, dass du früher zeichnerisch noch Luft nach oben gehabt hättest. Wie geht man am Anfang des Tätowiererinnendaseins mit so einer Kritik um und wie hast du sie in Ergebnisse umgemünzt, wie wir sie heute von dir sehen?
Es ist immer noch Luft nach oben! (lacht) Mit Kritik umzugehen, diese anzunehmen und sie in etwas Positives umzusetzen gehört definitiv zu den größten Herausforderungen vor denen ich stand und wahrscheinlich nach wie vor stehe. Keine einfache Angelegenheit, Kritik nicht zu persönlich zu nehmen. Aber ohne sie hätte sich meine Arbeit wahrscheinlich anders entwickelt. Aus heutiger Sicht kann ich nur sagen, sie war und ist unbedingt notwendig.

Dekolleté-Bouquet als dezenter und ästhetischer Hingucker.

Vermutlich hatte Pino den größten Einfluss auf dein Handwerk. Habt ihr zusammen an deinen Skills gearbeitet?
Ups, das ist eine schwierige Frage. Ich glaube, wir haben nie mit Absicht an meinen Skills gearbeitet. Es ging immer darum, das Tätowierhandwerk als solches zu lernen, mit allem was dazu gehört und ohne sich als Person zu sehr in den Vordergrund zu stellen.

Auch die Arbeiten des Zeichners, Zoologen und Freidenkers Ernst Haeckel setzt Marijana in ausdrucksstarke Tätowierungen um.

Du bist relativ spät Tätowiererin geworden. Wie hast du dich letztlich entschieden, diesen Schritt zu gehen?
Als Pino und ich 2005 Elektrik Revolver eröffnet haben, habe ich dort zunächst als Shop Managerin gearbeitet – und es hat mir auch wirklich sehr viel Spaß gemacht. Aber mit der Zeit interessierte mich der Prozess des Tätowierens wesentlich mehr und ich habe angefangen mich damit tiefer auseinander zu setzten. Irgendwann verfügte ich über ein gutes Basiswissen zu Nadeln, Farben, Tattoo-Maschinen etc., so dass ich einfach den nächst logischen Schritt weiter gegangen bin.


»Unter meinem Anspruch habe ich früher oft gelitten«

Was hast du gemacht, bevor du Tätowiererin wurdest?
Ich habe Sozialwesen studiert und war lange Zeit im sozialen Bereich tätig.
 
Du stichst zahlreiche Ornamente oder Mandalas. Im Hinduismus und Buddhismus haben Mandala eine besondere Bedeutung. Sie verkörpern u.a. das Universum. Beschäftigst du dich mit diesen Religionen oder gefallen dir einfach die Kunstwerke, die sie hervorbringen?
Ich würde nicht sagen, dass ich im Hinduismus oder dem Buddhismus im Übermaß bewandert bin. Es handelt sich dabei eher um ein gutes Grundwissen, nichts Spirituelles. Von daher beeindruckt mich an der Ornamentik eher die Symmetrie, die Wiederholung  oder das Ineinanderfließen der Formen und deren Zusammenspiel. Vielleicht ist das eher eine mathematische Betrachtungsweise des Ganzen.

Tattoo von Marijana Cafaro auf www.tattootimes.de
Buddhistische Blume.
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Spezialgebiet Mandalas.
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An Ästhetik kaum zu überbieten.

Ansonsten entdeckt man in deinem Portfolio das ein oder andere Traditional oder asiatische Blüten. Sind Mandala, Traditional und Asiatisches, das worauf du dich hauptsächlich konzentrierst.
Du hast Recht. Ich mag Traditionals und den japanischen Stil ebenfalls sehr gern. Es ist beeindruckend wie kraftvoll vermeintlich simple Designs sein können – einfach wunderschön. Ich würde gerne mehr in dem Stil machen.

Granatapfel. Granaten-Tattoo.

Dein erstes Tattoo, das du auf Instagram gepostet hast, war ein Mom-and-Dad-Herz mit Seil und Anker. Das war am 3. Januar 2015. Kannst du uns sagen, wie sich das Tätowieren damals noch für dich angefühlt hat?
Es war alles noch so aufregend. Vielleicht so, wie wenn man frisch verliebt ist und diese ganzen Schmetterlinge im Bauch hat. (lacht) Heute sind nicht mehr ganz so viele Schmetterlinge vorhanden, dafür aber um so mehr tiefe Verbundenheit, Zuneigung und Respekt.


»Als ob man frisch verliebt ist«

Wie fühlt sich das an, heute bis hierhin gekommen zu sein?
Da ich nicht das Gefühl habe ein besonderes Etappenziel erreicht zu haben, möchte ich definitiv weitergehen. Frag mich gerne in 15 Jahren nochmal. (lacht)
 
Auf Instagram bedankst du dich regelmäßig bei vielen Leuten, die deine Arbeiten positiv kommentieren. Wie wichtig ist dir dieses Feedback?
Das ist für mich ein Ausdruck der Dankbarkeit. Ich finde, wenn sich jemand die Mühe macht meine Arbeit zu kommentieren, dann möchte ich mich auch dafür bedanken.

Fehler kann man sich hier nicht erlauben. Diese Mandala-Kette dürfte der Tätowiererin alle Konzentration abverlangt haben.

Auf deinen Reisen nach Japan und Taiwan bist du auf einige namhafte Horis wie Horimatsu, Monta Morino oder Horipecco getroffen. Haben diese Begegnungen, das Land und die Kultur auch Einfluss auf deine Arbeit?
Die meisten kenne ich ja noch aus meiner Zeit als ich nicht tätowiert habe. Es sind alles gute Freunde von mir, die mich nun seit langer Zeit begleiten und auch unterstützen. Japan ist ja eh ein Land in dem ich mich gern aufhalte. Mich begeistern die Kultur, das Gespür für die Ästhetik. Die schönen Dinge genauso, wie die einfachen oder minimalistischen. Ich fühle mich dort geerdet und beflügelt zur selben Zeit.
 

Wer sich ein Farb-Tattoo herbeiwinken will, ist bei Marijana gleichermaßen gut aufgehoben.

Wie ist es, ständig von Tätowierern umgeben zu sein, die in ihrem Bereich ziemlich anerkannt sind. Siehst du dich da ebenfalls als gestandene Tätowiererin oder kann dieses Umfeld auch manchmal etwas einschüchternd wirken?
Ich denke, da habe ich eher großes Glück, als das es mich einschüchtert. All diese großartigen Menschen kennen zu lernen und die Möglichkeit zu haben von ihnen zu lernen. Die meisten tätowieren ja nun seit so vielen Jahren und blicken auf so viel Erfahrung zurück, dass ich dem ganzen eher mit sehr viel Respekt begegne und mich darüber freue sie als Freunde in meinem Leben zu haben.

Dotwork-Roboter aus dem Klassiker »Das Schloss im Himmel«. Marijana setzt sich keine Limits.

Wo wir bei der Freude sind: Was ist das Schönste an deinem Beruf?
Wie gesagt, die großartigen und wunderbaren Menschen denen ich begegnen darf. Seien es Freunde, Kollegen oder Kunden.

Welche Hoffnungen und Erwartungen hast du für die Zukunft in Bezug auf dich als Tätowiererin?
Hoffnungen und Erwartungen? Puh! Möge mein Energievorrat niemals versiegen. (lacht)

Tattoo von Marijana Cafaro auf www.tattootimes.de
Face-Tats? Immer her damit. Marijana genießt großes Vertrauen.
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Wie angegossen legt sich der Kranz um die Schultern der Trägerin.

Gibt es noch etwas, das du loswerden willst?
Ja, ein Zitat aus der Komödie Galaxy Quest: »Niemals aufgeben, niemals kapitulieren!« Der Link dazu stammt von Marijana.


Terminvereinbarung:
Marijana Cafaro
The White Fox Gallery
Adolfstraße 58
38102 Braunschweig
Telefon: +49 (0) 531 7 36 44
E-Mail: info@whitefoxgallery.de


Fotos und Video: Marijana Cafaro
Text: Jan Burger


30. März 2019