Tattoo Tutoring Times
Tattoo Tutoring

Tattoo Tutoring: Ela und Ilja erklären Tattoos

Zwei Tattoos, vier Meinungen. So unterschiedlich sind die Geschmäcker der Tattoo-Tutoren Ela Berger und Ilja Hummel.

 

Links: Ela Berger sticht seit über zehn Jahren Traditionals. Derzeit leistet sie im Studio Colourbox Pionierarbeit in Liechtenstein. Rechts: Ilja Hummel vom Studio Glaube, Liebe, Hoffnung in Essen tätowiert seit über 20 Jahren. Seine Arbeiten hackt er ausschließlich in Schwarz.

Links: Ela Berger sticht seit über zehn Jahren Traditionals. Derzeit leistet sie im Studio Colourbox Pionierarbeit in Liechtenstein.
Rechts: Ilja Hummel vom Studio Glaube, Liebe, Hoffnung in Essen tätowiert seit über 20 Jahren. Seine Arbeiten hackt er ausschließlich in Schwarz.

 

Boris Backert Panda Mahakala

Panda von Boris Backert, Mahakala Tattoo, Ravensburg.

 

Ela: Das viele Schwarz gefällt mir gut, das hält einfach. Als ich angefangen hab, da gab‘s solche Tätowierungen noch nicht. Damals hat sich ja keiner getraut über den Rand hinaus zu malen. Ich finde das Motiv an sich etwas wirr, aber wenn die Leute sich das so aussuchen, dann wird das schon auch zu ihnen passen. Ich bin da eher geradlinig, von daher steh ich schon drauf, mir mal was anzusehen, was nicht so akkurat ist. Ich finde die Arbeit solide, haltbar und nett.

 

»Als ich angefangen hab, da gab‘s solche Tätowierungen noch nicht« Ela

Ilja: Harte Packung. Ich bin bei sowas sehr zwiegespalten. Soweit sieht das schön aus. Bei solchen Tätowierungen verfließen aber die Grenzen zwischen künstlerisch ambitioniert und Krikelkrakel. An den Punkten im Pandakopf sieht man aber schon, dass da technisches Vermögen drin steckt. Okay, das Tattoo wird halten, auch wenn das bei dem Gelb fraglich ist. Aber ich hab ein Problem damit, dass es so gezwungen originell ist: der rote Kreis ums Auge, und dann sieht der Panda so künstlich wild aus, und dann noch diese sinnlosen Balken. Eigentlich sage ich jedem, dass es keine schlechten Tätowierungen gibt, nur angemessene. Dementsprechend wird der Träger das so gewollt haben. So ausgefallen, wie die Tätowierung sein soll, finde ich sie aber gar nicht. Für mich ist das einfach ’ne Stilblüte.

 

 

Kelu Frauenkopf Traditional

Traditional von Kelu, Bold as Love Tattoo, Stuttgart

 

Ilja: Find ich schön. Ein bisschen mehr Schwarz hätt‘ ich vielleicht schöner gefunden, was an der Natur meiner eigenen Arbeit liegt. Aber ansonsten ist die richtig schön sauber tätowiert. Im Rahmen der Originalität völlig inOrdnung. (lacht) Ich seh‘ das Ding, und ich mag es. Stilistisch sauber gelöst.

 

»Ich seh‘ das Ding, und ich mag es« Ilja

 

Ela: Ist gar nicht meins. Ich mag Frauen, die hübsch sind. Diese Ader der Ästhetik, mit diesen ganz simplen Sachen, hab ich nie aufgegriffen. Es ist haltbar und sehr sehr sauber gemacht, aber die sollte hübsch ausschauen und nicht schielen. Aber das ist halt der Stil. Dennoch hält es bestimmt 1.000 Jahre. Mein Mentor Gerd (Gerhard Wiesbeck, Studio Blut und Eisen, Berlin, Anm. d. Red.) hat mit halt eingehämmert, dass überall viel Schwarz für die Haltbarkeit rein muss, was hier ja drin ist. Mir fehlen hier zum Beispiel aber auch die Wimpern. Trotzdem, die Motiv-Idee ist auf jeden Fall geil. Und der Träger hat sich auf jeden Fall was Gutes abgeholt.

 

Fotos: Ela Berger, Ilja Hummel, Boris Backert, Kelu

04. September 2016

 

Tattoo Tutoring

Bildung ist der Schlüssel. Das gilt erst recht für Tattoos. Wer sich damit auskennt, der bekommt auch Qualität. Worauf es technisch und inhaltlich bei einer soliden Tätowierung ankommt, erklären im Tattoo Tutoring etablierte Tätowierer. Von wem die Arbeiten stammen, die wir ihnen vorlegen, verraten wir ihnen vorab nicht.

Bei allen Einschätzungen der Tätowierer kann es sich hier immer nur um eine Meinung und nie um die absolute Wahrheit handeln. Der Tätowierer kann lediglich das ihm aktuell vorliegende Foto beurteilen. Mal zeigen diese Fotos ein verheiltes, mal ein unverheiltes Tattoo. Auch die Umstände unter denen das Tattoo entstanden ist, sind für die Tattoo-Tutoren nicht immer nachvollziehbar. Zudem sind Geschmäcker stets verschieden. Dennoch meinen wir, dass ein Austausch über Tätowierungen stattfinden muss, um neue Einsichten zu erhalten. In diesem Sinne: Take it easy. It’s never nothing personal.