Tattoo von Marshmillo, Ramstein, www.tattootimes.de
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The Beautiful Struggle – Neo-Traditionals von Marshmillo, Ramstein // Interview

Längst im ganzen Land für preisgekrönte Neo-Traditionals bekannt, führt Marshmillo aus Ramstein weiterhin einen Kampf mit seinem Kunsthandwerker-Ego.

 

Tattoo von Marshmillo, Ramstein, www.tattootimes.de

Millo poliert jede seiner Arbeiten auf Hochglanz.

Bevor sich Millos in Farbe getränkte Nadeln in empfindliches menschliches Fleisch gruben, arbeitete sich sein Drucklufthammer in gefühlstaubes Marmor während seiner zehn Jahre als Steinmetz. So entstanden Büsten seiner Idole, wie die des Malers und Bildhauers Michelangelo oder des Schriftstellers Charles Bukowski. Seit 2006 greift er in seinem Studio Marshmillo’s Tattoos in Ramstein, das er mit seiner Frau Lori leitet, zu krachenden Spulenmaschinen. Dabei richtet er seinen Blick unter anderem Richtung Melbourne, um die bombigen High-End-Tattoos von Emily Rose Murray zu fokussieren, die er auch dafür mag, dass sie selbst vergleichsweise eher spärlich tätowiert ist. Oder in die Hauptstadt, wo er für sich in Lars-Uwe vom Loxodrom den Meister seiner Zunft entdeckt hat.

 

Tätowieren ist für Marshmillo eine Zerreissprobe

 

Tätowieren ist für Marshmillo, genannt Millo, eine Zerreissprobe zwischen Kunsthandwerk und Dienstleistung. Termine bekommt man beim Vollbärtigen nur noch per Mail. Der Ansturm während der jährlichen Vergabe im Studio war nicht länger zu bewältigen für den  Workaholic, der den Anspruch hat, eines Tages einen Teil von sich selbst in seinen Arbeiten wiederzuerkennen und der sich in Zukunft mehr dem für ihn integersten Stil des Tätowierens widmen will: dem japanischen. Auf der Suche nach Substanz und bei entkoffeiniertem Kaffe erzählt er uns vom Beautiful Struggle des Tätowiererdaseins.

 

Millo von Marshmillo, Ramstein, www.tattootimes.de

Rauchen. Arbeiten. Rauchen. Struggeln. Rauchen, dann wieder hustlen. Life of Millo.

 

 

 

Trivia Millo:
Tätowiert seit: 2006
Stil: Neo-Traditional, Asia
Gelernter Beruf: Steinmetz, 10 Jahre lang
Interessen: Musik, spielt Gitarre und Schlagzeug
Erstes gestochenes Motiv: Skull auf sich selbst am Unterschenkel.
Am Kunden: Koi auf dem Rücken.
Wanna Do’s: alles Asiatische und Tierdarstellungen
Conventions: Tattoo Ink Explosion, Mönchengladbach

 

 

 

 

 

 

 

 

»Ich hab richtig Bock auf asiatische Tattoos«

 

Tattoo von Marshmillo, Ramstein, www.tattootimes.de

Trotz minutiöser Bretter wie dieser Japan-Sleeve, hat Millo noch Zweifel. Zu unrecht.

Über die Grenzen des ländlichen Ramsteins hinweg bist du bekannt für deine außergewöhnlich sauberen plakativen Neo-Traditionals. Aber wie du mir schon vorab gesagt hast, möchtest du dich weiterentwickeln.
Ja, ich hab richtig Bock auf asiatische Tattoos. Mittlerweile hab ich schon einige Motive in dem Bereich gestochen und will davon unbedingt noch mehr machen. Je größer, desto besser. Bei diesem Stil lernst du sehr viel über das Tätowieren Allgemeinen. Dieser Stil ist sehr ehrlich. Dagegen ist alles andere eigentlich nur Hipster-Trend, Kitsch, der kommt und geht. Asia ist einfach solide, substanziell und zeitlos. Darum stech ich auch so gern Tiere, denn dabei kannst du nichts wegreden. Und ich will, dass meine Handschrift erkenntlich ist. Nicht hier ein Neo-Trad, da ein Old-School-Teil und hier noch ein Porträt. Viele Leute sagen mir, sie würden erkennen, dass ein Tattoo von mir ist. Ich selbst erkenn das nicht. Ich tätowiere eigentlich zuviel verschiedene Sachen.

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In Zukunft will Millo noch mehr asiatische Komopositionen wie diesen Tiger-Päonien-Sleeve stechen.

 

»Dagegen ist alles andere nur Hipster-Trend«

 

Das klingt, als wolltest du keine Allrounder sein?
Genau. Irgendwie hab ich kein Bock drauf, immer alles stechen zu müssen. Ich tätowiere sehr gern Neo-Traditional, weil es mir liegt und gut zu verarbeiten ist. Dazu noch Japanisches … und Porträts, weil ich sie gerne mache. Na ja, du siehst ja, dass ich da ziemlich hin und hergerissen bin. Ich bin wohl doch ein Allrounder. Von allem ein bisschen – und doch nichts richtig. Allrounder fühlt sich für mich an, wie mit der Fahne zu winken, auf der steht: »Ich bin ein guter Handwerker.«

 

»Aber wie werd ich von anderen gesehen?«

 

 

Tattoo von Marshmillo, Ramstein, www.tattootimes.de

Classy, clean: Backhander mit schlichtem Fuchs-Design.

Du führst da also einen Kampf mit deinem Ego?
Ja klar. Um Geld zu verdienen und um glücklich im Alltag zu sein, ist Allroundersein völlig okay. Aber wie werd ich von anderen gesehen? Ich möchte eines Tages lieber ein Tätowierer sein, der für seinen eigenen Stil Anerkennung bekommt. Das möchte ich erreichen. Langfristig möchte ich nicht immer alles stechen nur weil ich es kann. Tätowieren ist nicht nur Dienstleistung, sondern die Tattoos selbst brauchen Substanz. Ich will Kunst und Kitsch nicht zu sehr vermischen. Wobei Tattoos sowieso keine Kunst sind. Kunst ist wieder was anderes. Aber die Kunst muss dennoch in den Tattoos stattfinden, sonst werden sie gehaltlos und gehen in der Bedeutungslosigkeit unter. Wenn du dich schon 24/7 mit dem Tätowieren beschäftigst, dann darfst du nicht als Allrounder untergehen. Du musst den Willen haben, eine Marke zu hinterlassen und nicht immer nur die Masse bedienen. Vielleicht musst du manchmal sogar das Gegenteil von dem machen was die Leute wollen.

 

»Tattoos brauchen Substanz«

 

 

 

Tattoo von Marshmillo, Ramstein, www.tattootimes.de

Von einem zum andern Kollegen: nostalgisches Craftsman Tattoo.

An welchen Leuten erkennst du, dass sie ihren eigenen Stil haben?
Wenn Leute sich auf Stilrichtungen konzentrieren, dann erkennt man oft den roten Faden der sich durch das Portfolio zieht. Ich schau dann immer auf die Farbwahl und die Umsetzung der Linien oder auf wiederkehrende Features. Man kann dann schon oft erkennen von wem ein Tattoo gestochen wurde. Mit Pino Cafaro (White Fox Gallery, Braunschweig, Anm. d. Verf.) geht es mir oft so. Meine All-Time-Favourite in Sachen Tattoos ist aber Lars-Uwe (Loxodrom, Berlin, Anm. d. Verf.).

 

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Tattoo auf drei Ebenen: Silouette im Vordergrund, mittig der Falke, dahinter der blaue Background.

Was müssen deine Tattoos denn erfüllen, damit du mit ihnen zufrieden bist?
Das Wiedersehen muss Freude machen. Mein Geschmack ändert sich ständig und du findest im Nachhinein immer, dass du was anders hättest machen können. Aber das Tattoo ist in der Haut und du kannst es nicht mehr ändern. Von daher muss ich mit dem Tattoo vor allem technisch zufrieden sein.

 

 

»Das Wiedersehen muss Freude machen«

 

Tattoo von Marshmillo, Ramstein, www.tattootimes.de

Schwarze Katze bleibt schwarze Katze. Geil.

Wie bist du technisch an das Porträt der schwarzen Katze mit den gelben Augen rangegangen?
Ein gute Vorlage ist Vorraussetzung. Die schau ich mir genau an. Dann hab ich darauf geachtet, soviel Schwarz, aber auch Grau, wie möglich darin unterzubringen, ohne das die Glanzpunkte verloren gehen. Das Licht kommt von oben und über die Schnauze fällt ein Schatten. Auf dem Stencil markiere ich nur die groben Flächen, das reicht bei einem Tier dieser Größe. Bei einem Porträt eines Menschen müsste ich das detaillierter machen, weil sonst sein Charakter verloren ginge. Eine schwarze Katze verzeiht es einem aber, wenn du nicht so detailgetreu bist. Nach knapp drei Stunden war sie dann fertig. Ich hab das Tattoo verheilt gesehen und bin zufrieden damit. Denn selbst wenn es über die Jahre vielleicht ein bisschen verblasst, wird es immer noch dieselbe schwarze Katze sein. Das ist ja das Geile daran.

 

»Das ist ja das Geile daran«

 

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Mau! Tierdarstellungen verzeihen keine Fehler. Mau!

Die Motiv-Ideen, die dir deine Kunden bringen, entwickelst du die mit ihnen zusammen weiter, oder ist es vielleicht sogar so, dass diese Ideen teilweise so ausgereift sind, dass du selbst nicht darauf gekommen wärst?
Manchmal ist Letzteres wirklich so. Das ist ganz gut, denn ich bin nicht so der Typ der sich hinsetzt und dann phantasievolle Bildchen zeichnet. Ich bin wirklich froh über die Ideen meiner Kunden. Manchmal kann ich die dann ergänzen und manchmal wundere ich mich, dass ich tatsächlich noch Elemente von Kundenwünschen in einem Tattoo unterbekommen habe, von denen ich Anfangs nicht geglaubt habe, dass sie da reinpassen.

 

»Ich bin wirklich froh über die Ideen meiner Kunden«

 

Hättest du in deinen Anfängen als Tätowierer gedacht, dass du eines Tages der erfolgreiche Tätowierer sein könntest, der du heute bist?
Ich hab damals nicht viel darüber nachgedacht. Ich wollte einfach nur gut und besser werden, und hatte keine Vorstellung von der Zukunft. Mein damaliger Mentor meinte nur: »Du machst das schon ganz gut. In fünf Jahren wirst du vielleicht sogar Porträts stechen.« (lacht) Weiter konnte ich damals aber auch noch gar nicht denken, aber er hatte recht. (lacht) Jetzt ist es sehr schön, so viel gute Resonanz zu haben und so gefragt zu sein. Das mindert die Existenzängste natürlich genauso wie Preise auf Conventions zu gewinnen. Aber auch wenn es gut läuft müssen wir weiter die nächsten Schritte gehen. Ich hab manchmal einfach Angst, dass die Tattoo-Blase platzt und die Leute sich nicht mehr tätowieren lassen wollen.

 

»Das mindert die Existenzängste«

 

Tattoo von Marshmillo, Ramstein, www.tattootimes.de

Feinste Tattoos, natürliche Heilsalben. Die Berufe des Paares greifen perfekt ineinander.

Millos Frau Lori, studierte Aromatherapeutin am American College of Healthcare Sciences, USA, schaltet sich ein: »Zeichenabende mit Millo sind einfach nur verrückt. Er zeichnet tausend Sachen und schmeißt sie wieder weg. Durch seine ganze Erfahrung mit der Kunst, die er als Steinmetz gesammelt hat, artet das für ihn jedes mal in einen Kampf mit sich selbst aus. Er ist einfach ein Perfektionist.«

 

Als wäre das alles nicht schon genug Druck, habt ihr beide zudem die Tattoosalbe Wise Choice Tattoo Ointment entwickelt. Wie habt ihr das zusätzlich noch stemmen können?
Vor zwei Jahren haben wir in Babyschritten angefangen. Dann haben wir ein offizielles Heilprodukt ohne jede Chemie daraus gemacht, alles mikrobiologisch testen lassen, die Marke geschützt und die Homepage an den Start gebracht. Dort kann jetzt jeder bestellen. Wir haben mittlerweile 2000 Dosen verkauft und das Feedback ist extrem positiv. Das motiviert uns natürlich weiterzumachen.

 

 

Tattoo von Marshmillo, Ramstein, www.tattootimes.de

Mensch und Tier mit zielgerichtetem Blick. Wenige Farben reichen für einen starken Ausdruck.

»Ich hätte früher mit dem Tätowieren anfangen sollen«

 

War es für dich dennoch leichter ein Steinmetz zu sein?
Irgendwie bist du als Steinmetz immer mit dir allein. Ab und zu kommt mal der Chef vorbei und sagt, hier und da musste noch ein bisschen was machen. Und du so, ja ja. Aber es ist ebenfalls kein künstlerisches Schaffen in dem Sinne. Nach der Arbeit bin ich manchmal länger geblieben und hab hier und da mit Skulpturen, Porträts und so weiter rumprobiert. Aber ich hätte früher mit dem Tätowieren anfangen sollen. Jetzt muss ich schon ständig an die Rente denken, daran ein Haus zu bauen. Wenn ich davon auch noch eine Familie ernähren müsste, hätte ich mir wahrscheinlich schon längst die Kugel gegeben. (lacht) Aber wir wollen einfach nur ankommen, ab und zu mal einen schönen Urlaub machen und Bilder von unseren tätowierten Beinen posten.

 

Terminvereinbarung:

 

Millo
Marshmillo’s Tattos
Miesenbacher Straße 6
66887 Ramstein
Tel.: 06371-463946

millo@marshmillostattoos.de

facebook.com/wisechoicenaturals

facebook.com/marshmillostattoos

 

Tattoo-Fotos und Videos: Marshmillo’s Tattos

Porträtfotos von Millo: www.mitch-rue.de

 

Gewinnspiel:

Wir verlosen ein 15 mal 15 Zentimeter großes Tattoo von Millo, sowie drei 40-Gramm-Dosen der natürlichen Heilsalbe von Wise Choice Naturals. Um am Gewinsspiel teilzunehmen, musst du nur folgendes tun:

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Gewinnspiel-Teilnahme ab 18 Jahren. Das Gewinnspiel endet am 15. November 2016. Den/die Gewinner/in benachrichtigen wir per Facebook. Wir wünschen allen Teilnehmern viel Glück!

Facebook-Gewinnspiel-Disclaimer

 

22. Oktober 2016