Chris Lührmann, Andy Schmidt Tattoo Ink Explosion 2016
Tattoo Events

All Killers, no Fillers! Andy Schmidts Tattoo Ink Explosion // Interview

Die Tattoo Ink Explosion in Mönchengladbach hat auch im siebten Jahr Erfolg, weil sie nicht an der Qualitätsschraube dreht. Welche Investitionen nötig sind, um die vielleicht hochwertigste Convention des Landes zu stemmen, verrät Macher und Tätowierer Andy Schmidt.

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Der Macher
Andy Schmidt ist seit Jahrzehnten im Business. Seit 1996 leitet der Tätowierer sein Tattoo- und Piercing-Studio Andy’s Body Electric in Willich-Neersen. Die Tattoo Ink Explosion veranstaltete er 2016 bereits zum siebten Mal. Er ist eng mit der Rockabilly-Kultur verbunden, was sich des Öfteren auch in seinen Arbeiten widerspiegelt. Die Tattoo Ink Explosion gilt wegen ihres starken Line-ups, ihrer gediegenen Location und dem jährlich wechselnden Convention-Motto als er eine der renommiertesten des Landes. Trotzdem sieht Andy sich in erster Linie als Tätowierer.

 

 

 

 

 

 

 

 

Wie wichtig ist heutzutage das Sponsering durch Firmen? In eurem Fall durch Monster Energy.
Eine Convention kostet richtig Geld. Allein für Werbung haben wir zehntausende ausgegeben. Auch unser ganzer Aufbau, die Deko unser jährliches Motto und so weiter, sind alles Sachen, die muss man nicht haben, machen aber letztendlich den Unterschied. Was ich von Sponsoren bekomme, muss ich selbst nicht aufbringen. Ich möchte mich aber nicht von Marken abhängig machen. Generell entwickelt sich die Szene in eine industrielle Richtung, innerhalb der sich Tätowierer von Herstellern sponsern lassen, deren Farben sie oft nicht mal benutzen. Diese Entwicklung gefällt mir, zugegeben, nicht so sehr. Ich versuche, mich nicht mit Markennamen aus dem Tätowiergeschäft ins Bett zu legen. Bei unserer Zusammenarbeit mit Monster Energy ist aus meiner Sicht nichts verrutscht. Die kamen auf uns zu.

Wie wichtig sind die sozialen Medien für deine Convention?
Damit arbeiten wir reichlich. Besonders mit Instagram, das benutzen die amerikanischen Tätowierer mittlerweile mehr als Facebook. Deren Instagram-Postings erscheinen dann nur noch durch die Verlinkungen auf Facebook. Wir erreichen mit Social Media sehr viele Menschen, Nachrichten und Fotos verteilen sich besser, und es ist kostenlos. Wobei, früher konntest du per Facebook all deine Freunde zu einer Veranstaltung einladen. Mittlerweile ist das ja auf 200 limitiert und entwickelt sich weiterhin immer mehr zu einer Geldmaschinerie, bei der du für alle Extras bezahlen musst. Dennoch ist das natürlich ein wichtiges Werkzeug für uns, mit dem unsere Claudia fast das ganze Jahr arbeitet.

 

»Die Szene entwickelt sich in eine industrielle Richtung«

 

Ist die Convention dann reine Herzensangelegenheit oder verdient man daran auch was?
Natürlich kommt dabei auch Geld zusammen. Aber würde ich die Zeit nur mit Tätowieren verbringen, dann wäre mir das Geld sicherer. Dass ich diese Convention mache, hat was mit meinem Idealismus zu tun, der sich aber auch bezahlt macht. Nach sieben Ausgaben ist sie auch fast schon zum Selbstläufer geworden, bei dem das ganze Team weiß worum es geht. Bei der Ersten war ich mir noch nicht sicher wie es laufen würde, trotz 250.000-Einwohner-Stadt mit großem Einzugsgebiet. Es sind auch schon Conventions in größeren Städten wie Köln und Düsseldorf gescheitert. Viele Faktoren spielen eine Rolle. Wir hatten zu kämpfen, als wir an einem Wochenende mal über 20 Grad hatten, die Formel 1 zu normaler Tageszeit startete und Borussia ‚Gladbach in der Bundesliga zuhause gegen Köln ein Derby spielte. Da hast du schon Mühe. Oder damals, die Wesel-Convention kurz nach dem 11. September. Da kamen die Amis nicht, weil es keine Flüge mehr gab. Oder als dieser Vulkan in Island ausbrach und wochenlang kein Flugzeug mehr in diesen Regionen fliegen konnte. Aktuell sind es die Anschläge in Europa, die eine Messe negativ beeinflussen können. Eine Convention bleibt also schon allein durch das Weltgeschehen ein Risiko.

Old School Schiff Frontpiece Tattoo Ink Explosion

Maritimes war das Convention-Motto zu dem Dennis von Sorry Mom Tattoo in Braunwschweig das passende Tattoo lieferte.

Trotzdem wirst du auch nächstes Jahr weitermachen?
Die TIE8 wird stattfinden und zwar vom 17. bis 19. März, das steht fest. Eigentlich steht die Convention sogar bis 2019 schon fest.

Was ist dir am Wichtigsten, wenn du deine Convention veranstaltest?
Für mich ist maßgebend, dass sich die Tätowierer wohlfühlen. Deswegen hab ich die Convention damals überhaupt erst ins Leben gerufen. Ich wollte eine Convention, die genau so funktioniert, wie ich mir das vorstelle, wenn ich dort als Tätowierer hinginge. Und das haben wir geschafft. Die Halle ist vergleichsweise klein, aber schön, weswegen ich sie unter anderem ausgewählt habe. Dass ich da keine 10.000 Besucher reinkriege, war mir klar. Aber ich will eine Convention auf der Besucher, Tätowierer und Händler Spaß haben. Und die Reaktionen hinterher, zeigen immer wieder, dass das der Fall ist.

Wieviel Besucher kommen dann zur Tattoo Ink Explosion?
Es sind jährlich ungefähr 3500.

Was ist das Schwierigste daran, die TIE auf die Beine zu stellen?
Am Anfang war das Konzept wichtig. Da wussten wir noch nicht wie oder ob das funktionieren würde. Man kann eine Convention auch relativ einfach und ohne viel Geld gestalten. Unsere Dekoration, das Catering, unsere extra angefertigten Pokale – das ist schon sehr kostenintensiv. Zum andern wollte ich auch keine Anmeldungen per Internet ermöglichen, wie das oft üblich ist. Bei uns werden die Tätowierer handverlesen eingeladen. Anders kommst du nicht rein.

Wo findest du dann die Tätowierer für deine Convention?
Ich bin ja schon ein, zwei Tage im Business und kenne daher schonmal eine Menge. Zum andern müssen wir aber dennoch recherchieren. Es gibt so viele gute Tätowierer, die noch nie auf einer Convention gearbeitet haben, und die schreiben wir an. Claudia ist das ganze Jahr über damit beschäftigt, neue Studios und Künstler zu sichten. Ich finde, man muss auch neueren Leuten die Chance geben. Wichtig ist das Ergebnis: nämlich gute Tattoos.

 

Andy Schmidt will mit der Tattoo Ink Explosion auch jungen Leute eine Chance geben

 

Wer waren denn deine diesjährigen Neuentdeckungen?
Lass es mich so sagen. Wenn mich jemand fragt, wo er ein gutes Tattoo auf der TIE bekommen kann, dann kann ich sagen, dass er oder sie sich nur für einen Stil entscheiden muss und dann bedenkenlos zu jedem Tätowierer auf der Convention gehen kann, der diesen Stil anbietet. Egal, wer bei uns tätowiert, ich hab bei jedem ein gutes Gewissen. All Killers, no Fillers. Denn der Kunde geht davon aus, dass es sich um eine Fachmesse mit Fachleuten handelt und er sich dort überall tätowieren lassen kann. Oft hat man ja leider gesehen, dass das auf Conventions nicht immer der Fall ist. Bei allem Respekt, aber oft Arbeiten Tätowierer auf Conventions, die das eigentlich lieber nicht tun sollten. Aber da die Leute davon ausgehen, dass jeder, der wie ein Tätowierer aussieht, auch gute Tattoos sticht, müssen wir dieser Annahme auch wirklich gerecht werden. Und trotz Internet und Tätowiermagazinen schaffen es viele immer noch nicht, sich über Qualitäts-Tattoos richtig zu informieren, und können bedauerlicherweise gute von schlechten Tattoos nicht unterscheiden. Da ist es Aufgabe des Veranstalters dafür zu Sorgen, dass die Qualität der Artists einfach stimmt.

Chris Lührmann Xian Art Tattoo Ink Explosion 2016

Auf der Ink Explosion kommt das Entertainment auf keinen Fall zu kurz.

Welche Herausforderungen müssen Conventions den zukünftig meistern?
Hygiene und Qualität müssen stimmen. Da achten wir sehr genau drauf. Unsere ausländischen Tätowierer versorgen wir zum Beispiel mit in Deutschland gelisteten Desinfektionsmitteln. Zudem muss eine ausgewogene Mischung an Stilen herrschen. Im Moment nehmen Hyper-Realistic und Neo-Traditional einen Großteil des Marktes ein, weshalb wir auch wirklich sehr guten Leuten aus diesem Bereich leider absagen müssen, da wir sonst zu einseitig aufgestellt sind. Wir müssen dem Besucher einen Durchschnitt aller Stile bieten. Außerdem müssen die Tätowierer immer Arbeit haben, denn auch sie müssen den Stand bezahlen und haben Reise- und Hotelkosten. Deshalb müssen wir gewährleisten, dass sie genug Aufträge bekommen, was bei unserer Convention gegeben ist.

Wird sich in Zukunft die Anzahl der Conventions über ihre Qualität regulieren?
Ja, denn egal wie einfach oder aufwendig deine Messe gemacht ist, sie kostet immer Geld. Und bei der Vielzahl die es an Messen gibt, werden sich die Leute irgendwann nur noch für die entscheiden, von der sie wissen, dass sie sich wirklich lohnt. Dass sich Qualität durchsetzt ist ja auch nicht aus der Luft gegriffen. Eine Convention sollte von Tätowierern gemacht werden. Ich bin kein Fan von Veranstaltungen, die von Leuten gemacht werden, die nichts mit dem Tätowieren zu tun haben, um einfach nur Geld zu machen. Aber den Unterschied merkt man sowieso.

 

»Eine Convention sollte von Tätowierern gemacht werden«

 

Wie fühlst du dich während der Convention?
Inzwischen bin ich völlig entspannt, mir ist manchmal fast langweilig. Das hab ich aber meinen Crews zu verdanken, circa um die 15 Leute. Meine Securitys wissen genau was zu tun ist. Ebenso die Leute an den Notausgängen, die Standaufbauer, meine sagenumwobene Crew im Catering, die Schnittchentrullas, bei denen mittlerweile jeder Handgriff sitzt, die Hausmeister usw. Das alles erleichtert die Sache ungemein. Großes Lob und Dank an der Stelle.

Tattoo-Model Tätowiererin Mönchengladbach Convention

Model und Tätowierin Filouino war ebenfalls vor Ort.

Wie einigt ihr euch jährlich auf das Convention-Motto?
Das Thema muss visuell darstellbar sein. Jemand hatte für kommendes Jahr das Thema Superhelden vorgeschlagen. Schöne Geschichte, aber du bekommst schnell Copyright-Probleme, wenn du den Hulk auf dein Plakat packst. Nachdem wir das Maya-Weltuntergangs-Thema hatten, kamen im Jahr darauf die Zombies, weil die ja das Resultat einer Apokalypse sind. Wir orientieren uns also auch ein bisschen am Zeitgeschehen.

Welche Auswirkungen hat die Convention auf die Stadt Mönchengladbach?
Die Angestellten im Dorint-Hotel prügeln sich jetzt schon um die Schichten im nächsten Jahr. Das Toiletten-Personal sagt, dass sie das ganze Jahr über nie so freundliches Publikum haben. Dort sieht es nach einem CDU-Parteitag wesentlich schlimmer aus. Die Stadt hat verlauten lassen, dass die Convention die wichtigste Veranstaltung des Jahres in der Kaiser-Friedrich-Halle ist. Bei uns kommt eben viel Zusammen, was uns so außergewöhnlich macht.

 

 

 

 

 

 

Fotos: Chris Lührmann
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